Invasive Arten

In Zeiten der Globalisierung spielen Entfernungen nur noch eine untergeordnete Rolle. Innerhalb kürzester Zeit werden Landesgrenzen und oftmals auch Klimazonen überschritten. Allerdings eröffnet sich hiermit nicht nur dem Menschen die Möglichkeit, in neuen Gebieten Fuß zu fassen. Auch Pflanzen- und Tierarten breiten sich immer schneller auf unserem Planeten aus.

 

Vor allem Gartencenter und Baumschulen bewerben ein reichhaltiges Angebot an blühfreudigen nicht-heimischen Stauden und Gehölzen, die in unseren Gärten ein neues Zuhause finden. 

Ob man nicht doch lieber die standortheimischen Arten vorziehen sollte, ist zumindest einen Gedanken wert.

Historische Ausbreitung von Pflanzen- und Tierarten

 

Um das Ausmaß des Problems zu erkennen, ist zunächst ein kleiner Zeitsprung notwendig:

 

Wir schreiben den 3. August 1492. Der Genuese Christoph Kolumbus sticht im Auftrag der spanischen Krone mit drei Schiffen von der spanischen Hafenstadt Palos aus nach Westen in See. Seine Mission ist die Suche eines neuen Seeweges nach Indien. Am 12. Oktober 1492 entdeckt er die Bahamas, später Kuba und Hispaniola. In der Annahme er habe einen Seeweg nach Westindien entdeckt, kehrt Kolumbus nach Spanien zurück. Bis zu seinem Tod im Jahr 1506 unternimmt Kolumbus zwei weitere Expeditionsreisen in das vermeintliche Indien. Schiffsladungen voller Tabak, Kräuter, Gewürze, Kartoffeln, Tomaten, exotischer Tiere, Edelmetalle und sonstiger Schätze finden ihren Weg in die „Alte Welt“. Die Globalisierung nimmt an Fahrt auf.

 

Die Entdeckung Amerikas ist nun schon weit über 500 Jahre her. Und während uns Menschen dies als ein riesiger Zeitraum erscheint, sind 500 Jahre für die Natur eher unbedeutend. Beispielsweise handelt es sich beim ältesten Baum Deutschlands um eine Sommer-Linde die auf ca. 1200 Jahre geschätzt wird.

 

Und so dauert vieles in der Natur einfach ein bisschen länger als wir Menschen es erwarten. In der Vergangenheit siedelten sich Tiere, Pilze und Pflanzen selbstständig in für sie neuen, geeigneten Lebensräumen an. Doch trotz ihrer genialen Vermehrungsstrategien wurde die Ausbreitung auf natürliche Weise durch Gewässer, Gebirgszüge, Wüsten und Eis verlangsamt oder sogar komplett ausgeschlossen. Die dadurch in sich geschlossenen Ökosysteme konnten ihre Bestände selbstständig regulieren. Ausreichende Zeitfenster ermöglichten konkurrenzbedingte Anpassungen für Tiere und Pflanzen.

 

Das alles hat sich seit 1492 massiv verändert. Der heimischen Tier- und Pflanzenwelt bleibt viel zu wenig Zeit, sich an ihre Konkurrenten anzupassen. Diese finden hierzulande zumeist beste Wachstumsbedingungen sowie weniger Fraßfeinde und Schädlinge vor. Anders als bei den heimischen Arten wird ihre Ausbreitung durch den Klimawandel oft sogar begünstig.

 

Die Wissenschaft fasst die „neuen“ Arten unter dem Begriff „Neobiota“ zusammen. Übersetzt bedeutet dieser Begriff „neues Leben“. 

 

Unterschieden wird hierbei zwischen: 

  • Neozoen (Tiere)
  • Neomyceten (Pilze) und
  • Neophyten (Pflanzen).

Manche von ihnen gelten als invasiv, was bedeutet, dass sie ein enormes Verbreitungspotenzial haben und somit ein großes Problem für die Artenvielfalt darstellen.

In der Natur (freie Landschaft) ist es gemäß Bundesnaturschutzgesetz (§40 BNatSchG) so, dass seit 2020 nur noch standortheimische Gehölze und regionales Saatgut verwendet werden dürfen. Somit ist außerhalb unserer Gärten ja schon einiges geregelt.

 

Tipps für den eigenen Garten

 

Hier jedoch – in unseren Gärten – sind wir gefordert. Während unser Einfluss auf die Verbreitung von nicht-heimischen Tieren oder Pilzen als eher gering einzuschätzen ist, sieht es bei den invasiven nicht-heimischen Pflanzen ganz anders aus.

Unzählige bekannte Vertreter wie z.B. der Topinambur, der Essigbaum, die Kanadische Goldrute und verschiedene Bambusarten sind in unseren Gärten verbreitet.

Da die Vermehrung invasiver Pflanzen oft über das Wurzelsystem erfolgt, sollten ihre Wurzelreste nicht über den Kompost, schon gar nicht in der Natur entsorgt werden. Oft sind es Gartenflüchtlinge, die sich so im Wald, auf Banketten oder Brachflächen vermehren.

Rhizomsperren sind ein wirksames Mittel, um die Ausbreitung allzu wuchsfreudiger Pflanzen im Garten und auf Nachbarflächen zu verhindern.

 

Im Idealfall greift man jedoch direkt schon bei der Gartenplanung auf die heimischen Pflanzen zurück.  


Beispiele für invasive, nicht-heimische Pflanzen:

Japanischer Staudenknöterich:

Herkulesstaude (auch Riesenbärenklau genannt):

Fotos: NABU Xanten


Weiterführende Links:

 

Neophyten (Bundesanstalt für Gewässerkunde)

 

Gebietsfremde und invasive Arten (Bundesamt für Naturschutz)